EFSA warnt vor zunehmenden Listeria-Infektionen bei gefährdeten Gruppen durch verzehrfertige Lebensmittel

Am 24. Januar 2018 veröffentlichte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ihr Gutachten zur Kontamination von verzehrfertigen Lebensmitteln mit Listeria monocytogenes und dem damit verbundenen Risiko für die Gesundheit der Bevölkerung in der EU.

Anlass für das umfangreiche Gutachten zu Listeriosen war ein Anstieg der Fallzahlen in den Jahren 2009 bis 2013 und der häufig schwere Verlauf der Erkrankung. Die Sachverständigen der EFSA analysierten daraufhin im Zeitraum von 2008 bis 2015 das Auftreten der Krankheitsfälle in Verbindung mit der Infektionsquelle und der Verteilung in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Hier sind die wichtigsten Ergebnisse:

  • häufigste Quelle der Infektion ist der Verzehr kontaminierter, verzehrfertiger Lebensmittel
  • Der Anstieg der Listeriosen trifft zwei Bevölkerungsgruppen: Menschen über 75 Jahre und Frauen im Alter von 25 bis 44 Jahre
      

Das Fazit der EFSA

Es ist davon auszugehen, dass der Anteil der gefährdeten Bevölkerungsgruppen zukünftig noch steigen wird. Faktoren wie ein sich veränderndes Essverhalten (Trend zu Fertigprodukten), der Gesundheitsstatus der Konsumenten (Schwangerschaft, Krebserkrankung, Leber- oder Niereninsuffizienz), der demografische Wandel (steigende Lebenserwartung) und die Virulenz der Bakterienstämme werden hier eine Rolle spielen. 

Die Verantwortlichen in der Lebensmittelbranche werden dringend aufgerufen dem möglicherweise wachsenden Problem von Listeria monocytogenes in verzehrfertigen Nahrungsmitteln wachsam gegenüber zu stehen. Angesprochen werden hier Caterer (insbesondere für Pflegeeinrichtungen) und Hersteller von verzehrfertigen Nahrungsmitteln.

Kurz zusammengefasst: Hintergrundwissen zu Listerien

Auslöser von Listeriosen ist das Bakterium Listeria monocytogenes. Listerien sind in der Umwelt weit verbreitet. Werden Listerien in Lebensmittelbetrieben auf bereits gereinigten Oberflächen oder in der unmittelbaren Umgebung von Lebensmitteln nachgewiesen, werden sie als Hygieneindikatoren bewertet. Kommt es hingegen  zu einem positiven Nachweis des EU-rechtlichen Sicherheitskriteriums Listeria monocytogenes  in einem Lebensmittel, müssen betriebliche Maßnahmen zur Verbesserung der Betriebs- und Produktionshygiene ergriffen werden.

Listerien sind dabei sehr robust und bilden Biofilme oft in Bereichen der Produktion, die nicht gut zugänglich sind. Als Folge gelangen sie diskontinuierlich in die Lebensmittelproduktion. Ein verzehrfertiges Lebensmittel gilt als nicht verkehrsfähig, wenn mehr als 100 KbE/g Listerien nachgewiesen werden (VO (EG) Nr. 2073/2005). Die infektiöse Dosis für Menschen mit intaktem Immunsystem liegt bei etwa 1000 KbE/g. Der rechtliche Grenzwert berücksichtigt die Zunahme von Bevölkerungsgruppen mit eingeschränkter Immunabwehr derzeit nicht ausreichend.

Da die Bakterien besonders anpassungsfähig sind, muss mit deren Überleben und Vermehrung im gelagerten Lebensmittel gerechnet werden. Listerien vermehren sich bei kühlen Temperaturen (z.B. im Kühlhaus oder Kühlschrank) und können auch ohne Sauerstoff auf vakuumverpackten Lebensmitteln wachsen. Aus diesem Grund legt die Verordnung VO (EG) 2073/2005 ein weiteres Sicherheitskriterium für verzehrfertige Lebensmittel fest, die den Herstellungsort noch nicht verlassen haben: Wenn das Lebensmittel einen pH- und aw-Wert aufweist, der Listerien die Vermehrung ermöglicht, dann darf in einer Probe von 25g  Listeria monocytogenes nicht nachweisbar sein. 

Bereits jetzt können ca. ein Drittel der Listeriose-Fälle auf das Wachstum der Bakterien während der Aufbewahrung im Kühlschrank oder durch mangelhafte Hygiene bei der Zubereitung von Speisen zurückgeführt werden.

Listeria monocytogenes findet sich in vielen verschiedenen Lebensmitteln, z.B. in Fischerzeugnissen (v.a. Räucherfisch), in Fleischerzeugnissen, in Milcherzeugnissen (v. a. Weichkäse) und in rohem Gemüse.  

Der Verlauf der Erkrankung ist oft schwerwiegend. Besonders gefährdet sind Schwangere, Immungeschwächte und ältere Menschen. Eine Listerieninfektion während der Schwangerschaft kann zu Aborten, Frühgeburten oder zur Geburt schwerkranker Babys führen. Komplikationen bei immungeschwächten Erwachsenen sind Sepsis, Meningitis, Enzephalitis und Endokarditis. Die Sterblichkeitsrate ist hoch.

Weitere aktuelle Informationen zu Listerien in verzehrfertigen Nahrungsmitteln

Leistungen des SYNLAB Lebensmittelinstituts

  • Nachweis und Zählung von Listerien in allen Arten von Lebensmitteln
  • Nachweis von Listerien in Umgebungsproben (Tupfern, Luftkeimsammlungen)
  • Rechtliche Bewertung der Befunde nach VO(EG) 2073/2005 anhand von weiteren Messwerten (pH- und aw-Wert) und Informationen (Verbrauchsfrist)
  • Schnellanalytik verfügbar (26h)

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Kontakt

Dr. Thomas Müller, Dr. Volker Spitzenberg, Dr. Martin Vödisch

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